Skandal: Die "Rosi" reizt ihre Fans noch immer Günther Sigl und die Spider Murphy Gang rocken am 4. Juni das Baustetter Festzelt
Die Spider Murphy Gang gastiert am Samstag, 4. Juni, beim Kreismusikfest in Baustetten. Von den Charts, die sie 1981 mit dem Hit "Skandal im Sperrbezirk" stürmten, hat sich die Band längst verabschiedet, dafür heizt sie in Clubs und Festzelten dem Publikum mit ihrem bayerischen Rock'n'Roll und ungebremster Spielfreude nach wie vor mächtig ein. SZ-Redakteur Reiner Schick sprach mit Bandleader Günther Sigl (64) über den Werdegang, die Gegenwart und die Zukunft der Gruppe.
SZ: Herr Sigl, von der Spider Murphy Gang hat man im Raum Laupheim lange nichts mehr gehört. War Oberschwaben bislang etwa Sperrbezirk? Das wäre ein Skandal...
Sigl: Sperrbezirk? Na, ein Teil unserer Technik-Crew ist aus Oberschwaben. Die kommen alle aus dem Raum Bad Waldsee/Aulendorf.
Aber an ein Konzert im Raum Laupheim erinnert sich bestenfalls unser Seniorenclub. Trauen Sie sich aus Bayern gar nicht heraus, weil man Sie jenseits der Grenze vielleicht nicht verstehen könnte?
Na, na. An ein Konzert in Bad Saulgau kann ich mich erinnern, und früher haben wir auch öfter in der Oberschwabenhalle in Ravensburg gespielt. Wir treten eigentlich überall im deutschsprachigen Raum auf, bis nach Flensburg nauf.
Die Spider Murphy Gang wurde 1977 gegründet – also in dem Jahr, in dem Elvis Presley starb. Er soll als GI heimlich in den Clubs rund um den ostbayerischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr aufgetreten sein. In solchen Ami-Schuppen gab auch die Spider Murphy Gang ihre ersten Konzerte. Hat er euch zum Rock'n'Roll inspiriert?
Den Elvis haben wir leider nicht mehr kennengelernt. Aber ich habe ja schon als 15-Jähriger in den 60erJahren Musik gemacht und die ganzen alten Rock'n'Roll-Sachen gespielt, von den Beatles, Stones, Chuck Berry und auch Elvis. Von einer Liedzeile seines "Jailhouse Rock" haben wir ja unseren Bandnamen: "Spider Murphy played the tenor saxophone". Unseren ersten Auftritt hatten wir am 8. Oktober 1977 im Ulm in den Wiley Barracks. Aber eigentlich hatten wir uns ja gegründet, um aus den Ami-Clubs rauszukommen und in den Münchner Kneipen aufzutreten und bekannt zu werden. Das hat ja dann ganz gut hing’haut.
Mit dem Album "Dolce Vita" und der Single "Skandal im Sperrbezirk" schafften Sie schon 1981 den deutschlandweiten Durchbruch. Damals eroberten Sie sich einen Platz in den Charts, heute sind Sie fast nur noch auf der Live-Bühne zu Hause. Fehlt Ihnen diese überregionale Popularität?
Na ja, man steigt auf, und irgendwann macht man sich wieder auf den Rückweg. Mitte der 80er-Jahre haben wir schon den Druck gemerkt: Jeder erwartet nach den ersten Hits wieder die großen Erfolge. Wenn wir ein reines Plattenprojekt gewesen wären, hätten wir sicher Probleme gehabt. Aber weil wir schon damals viel Live-Erfahrung hatten, kamen wir gut damit zurecht. Zwar kamen dann schon diese Kommentare: Asche tingelt über die Dörfer und spielt in Bierzelten. Aber das ist in Ordnung. Es macht Spaß, die Leute sind begeistert.
Produzieren Sie keine Studio-Alben mehr?
Wir haben schon immer wieder noch Alben herausgebracht, aber irgendwann gemerkt, dass wir damit nicht mehr so ankommen. Außer in den Live-Konzerten: Da wird auch das eine oder andere neue Stück zum Hit.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Musikszene in Deutschland? Können Sie mit den Casting-Shows oder ähnlichen Wettbewerben etwas anfangen?
Es gab ja auch früher schon Musikwettbewerbe, nur wurden die damals von den Medien nicht so aufgeblasen wie heute. Die Jugend braucht halt ihre Helden. Und es sind ja auch immer wieder gute Sänger dabei, die auch langfristig erfolgreich sind. Ein Max Mutzke zum Beispiel. Auch Lena finde ich erfrischend, aber blöd war, dass es plötzlich keine deutsche Vorausscheidung mehr gab, sondern Lena nur gegen sich selbst antrat. Es ging nur darum, für ihr neues Album zu werben. Stefan Raab ist da der große Macher, und was ich seltsam fand, ist, dass die ARD da mitgespielt hat. Dass es aber auch ohne CastingShows geht, hat man bei den Sportfreunden Stiller gesehen. Insgesamt jedoch ist es schwierig geworden, einen Platz in den Radioprogrammen zu bekommen. Das habe ich mit meiner Solo-CD "Habe die Ehre" ge-merkt. Man passt kaum noch in die speziellen Radioformate rein.
Dafür sind Rock'n'Roll-Partys angesagt, wie Ihre Konzerte zeigen. Wie hoch ist der Altersdurchschnitt Ihres Publikums?
Es sind schon überwiegend die 40bis 60-Jährigen, aber gerade in kleineren Ortschaften kommen nach dem Auftritt auch immer wieder jüngere Besucher auf uns zu. Die kennen zwar nicht das ganze Programm, aber die Hits wie Skandal oder Schickeria, und die sagen hinterher: "Hei, des hätt ich nicht gedacht. War ein super Konzert". Und für die älteren sind unsere Songs eine schöne Erinnerung an ihre Teenager-Zeit. Die schwärmen dann: "Die Lieder haben wir gesungen auf der Skihüttn oder im Schullandheim, wir haben die Lehrer geärgert im Schulhof und ,Skandal‘ gesungen".
Stimmt. Leider schwärmte ich zu meiner Schulzeit ausgerechnet für eine Rosi, prompt bekam ich das Lied von meinen Klassenkameraden dauernd zu hören...
Sigl: (lacht) Oh je, dieses Problem hatten viele. Aber auch wir hatten ärger: Die Telefonnummer im Stück gab es wirklich, ein altes Mütterlein hatte sie. Die jungen Leute haben sich einen Spaß gemacht und bei ihr angerufen: Hei Rosi, wie schaut‘s aus, könn‘ mer no vorbeischaun? Da haben wir dann Rechtsanwaltsbriefe bekommen, mussten die Telefonnummeränderung bezahlen und einige Blumensträuße schicken, bis sich die Sache wieder beruhigt hat.
Der "Skandal" wird heuer 30. Feiert ihr das?
Na, nicht speziell. Aber wir spielen den Song auch heute noch so gerne wie früher. Und er ist immer noch frisch und hat Power: Das merken wir, wenn wir das Stück anspielen, da geht das Publikum mit. Das gilt aber auch für die anderen großen Hits. "Mir san a bayerische Band" spielen wir als Opener, da herrscht dann gleich super Stimmung.
Haben Sie persönlich ein Lieblingsstück?
Besonders gerne mag ich nach wie vor "I ziags net aus, meine Rock'n'Roll Schuah". Das ist ein Statement, das gilt bis heute. Als ich vor gut 30 Jahren meinen Beruf als Bankkaufmann für die Musik aufgegeben habe, hätte ich nicht damit gerechnet, dass es so eine Entwicklung nimmt und dieser Song mal so eine Bedeutung kriegt. Wie lange behält die Spider Murphy Gang die Rock'n'Roll-Schuhe noch an?
Man muss gsund bleiben, das ist in einem gewissen Alter das Wichtigste. Und solange es Spaß macht und die Leute es hören wollen... Unser Held Chuck Berry wird 87 dieses Jahr – den haben wir vor ein paar Jahren auch noch gesehen. Also schaun mer mal.
Karten gibt’s im Vorverkauf unter vorverkauf@kmf-2011.de sowie bei den Geschäftsstellen der Volksbank Laupheim.