Fesch: Musiker feiern in neuem Gewand Festabend des MV Baustetten steht im Zeichen der Vorfreude aufs Kreismusikfest
Von Sonja Niederer BAUSTETTEN Einen kurzweiligen Festabend hat der Musikverein "Harmonie" Baustetten seinen zahlreichen Gästen am Samstag beschert. Dieser war der offizielle Auftakt des Kreismusikfestes, das vom 1. bis 5. Juni stattfindet. Nach dem Festgottesdienst in der Sankt-Ulrich-Kirche und der Totenehrung vor dem Kriegerdenkmal marschierten der MV Baustetten mit Gästen und der Patenkapelle aus Mietingen zur Mehrzweckhalle. Auf der Bühne eröffneten die Gastgeber den Abend getreu ihrem Namen mit dem flotten Marsch "In Harmonie vereint". "90 Jahre Musikverein, 100 Jahre Blasmusik in Baustetten, wenn das kein Grund zum Feiern ist", sagte Edmund Wiest, der durch das Programm führte. In seinem Elternhaus fanden in den Anfangsjahren die Proben des Musikvereins mit damals noch zehn Mitgliedern statt. "In der engen Stube, Mann an Mann, der Bass stieß an der Decke an", erinnert sich Wiest. Immer am Sonntag nach dem Mittagessen habe sein Vater am offenen Fenster geübt und seine Nachbarn hätten es ihm gleichgetan. So sei es zwar nicht immer die wahre musikalische Harmonie gewesen, aber für ihn ein unvergessliches Sonntagskonzert, so Wiest. "Es bedarf vieler engagierter Menschen, um ein Kreismusikfest auf die Beine zu stellen", sagte die 1. Landesbeamtin Stefanie Bürkle, die Landrat Dr. Heiko Schmid vertrat. "Ohne ihre Tatkraft und ihren Mut wäre es nicht möglich", so Bürkle. In Blaskapellen fänden Menschen aller Schichten und Altersgruppen zusammen, "in der Musik finden sie Gemeinschaft". Sie wünschte gutes Gelingen und gutes Wetter am Festwochenende: "Möge in der Zeit das Herrgöttle von Biberach einen Ausflug nach Baustetten machen." Bürkle oblag auch die Ehre, den Biberacher Kreismarsch zu dirigieren. Ganz Baustetten werde beim Kreismusikfest auf den Beinen sein, sagte Laupheims Bürgermeister Rainer Kapellen. "Was ist schädlich an Blechinstrumenten?", fragte er und gab gleich selbst die Antwort: "Nichts. Sie stärken die Lungen und verlängern das Leben." Musik halte jung, aber nicht nur die Blechbläser, so Kapellen. Alle zögen an einem Strang, wenn es heiße: " Mit frohem Klang die Rottum entlang." Brücken würden zwischen den Einrichtungen und Vereinen geschlagen. Anton Hettich bekam als einer dieser Konstrukteure ein Brückenmodell aus Holz von Kapellen überreicht. Auch der Gesangverein "Liederkranz" unter Leitung von Joachim Rieger gratulierte mit ein paar fröhlichen Liedern, darunter das Baustetter Heimatlied: "Durchs Wiesental die Rottum fließt, in diesem Tal bin ich zu Hause, da steht mein Elternhaus."
Vorhanglupfer mögen's sexy
Einen amüsanten Einblick in die vielen Sitzungen, die zur Vorbereitung der einzelnen Programmpunkte des Kreismusikfestes nötig sind, bot die Theatergruppe "Vorhanglupfer." Sollen die alten Protokolle vorgelesen, ein Auftritt der früheren Besetzung des Musikvereins oder gar ein Binokelturnier auf Kreisebene stattfinden? Die Meinungen gingen dabei ziemlich auseinander. Sehr zugetan waren, zumindest die männlichen Ausschussmitglieder, dem Vorschlag von Franz Wolfmaier, doch eine Erotik-Night-Show zu veranstalten. "Sex isch älles", meinte er. "Do kommed d'Leut, do rollt dr Rubel." Eine kleine Kostprobe, wie das alles so aussehen könnte, gab's gleich auf der Bühne. Aber nicht nur die rassige Tänzerin bot einen Augenschmaus, sondern auch die neuen Uniformen des Musikvereins Baustetten, die an diesem Abend vorgestellt wurden. Wohlgemerkt natürlich züchtig und sehr schick, die Herren mit Kniebundhose, Weste, Janker und Trachtenhut, und die Damen in langen Röcken mit glänzenden Schürzen.
Leute
Der Baustetter Musikvereins-Vorsitzende Anton Hettich nutzte den Festabend zum Kreismusikfest, um vier Mitglieder, die dem Verein langjährig zur Seite gestanden sind, zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. Josef Leitte, Josef Scheffold, Josef Rodi und Nikolaus Glaser erhielten von Hettich eine Ehrenurkunde überreicht.
"Wir sind stolz auf den Musikverein Baustetten", sagte Walter Reklau, der Vorsitzende des Kreisblasmusikverbandes Biberach. Er nahm die Ehrung verdienter Musiker vor. Für zehn Jahre als aktive Mitglieder im Musikverein Baustetten erhielten die Ehrennadel in Bronze: Isabel Birk-Braun, Marina Keller, Marcel Hess, Patrick Kästle, Fabian Sontheimer. Die silberne Ehrennadel für 20 Jahre Mitgliedschaft erhielten Nicola Zimmermann und Alexander Beck.
Für ihre langjährigen Verdienste um den Musikverein erhielten Margret Keller die Fördermedaille in Silber und Anton Hettich die Fördermedaille in Gold. Eine besondere Aufgabe übernahm Bürgermeister Rainer Kapellen. Er ernannte Dirigent Michael Bohn zum Musikdirektor und überreichte ihm einen goldenen Taktstock. "Der Musikverein Baustetten heißt nicht nur Harmonie", so Kapellen, "sondern es herrscht auch Harmonie." 1998 habe Bohn sein Debüt als Dirigent in Baustetten gegeben, seitdem sehr gute Erfolge erzielt und die Kapelle stetig weiterentwickelt. Höhepunkt sei die Note "hervorragend" in der Oberstufe beim Wertungsspiel 2010 gewesen. "Michael Bohn hat hervorragende Arbeit geleitet," so Kapellen. Bohn bedankte sich bei seinen Musikern. "Freud und Leid haben wir geteilt die vergangenen Jahre", so Bohn, "aber wir haben es miteinander hinbekommen." Ortsvorsteher Dietmar Kögel gratulierte zum Titel und meinte: "Die Verpflichtung eines Musikdirektors ist, die gleiche Zeit, die er schon da war, auch mindestens noch zu bleiben.